Home
Über mich
Job
Tiere
Ägypten
Drittes Reich
Bücher
Buchvorstellung
SgB - fertig gelesen
SuB - noch zu lesen
Das besondere Buch
Bücher als Geschenke
Bücher Fotografie
Bücher Gitarre
Hörbücher
Bücherliste
Kontakt
Impressum
Blog und Katzenwelt
Gästebuch
Tagessch(l)au
Spiele
 


"Die Wohlgesinnten"/Jonathan Littell

DAS vieldiskutierte Skandalbuch!!! Seinerzeit bei Elke Heidenreich in "Lesen!" und vielen anderen Talk-Shows, in unzähligen Feuilletons heiß diskutiert, in Frankreich ein Bestseller.

Bei mir liegt das Buch seit fast einem Jahr auf dem SuB - ich habe mal begonnen, es zu lesen, aber nach den ersten Seiten fassungslos wieder aufgehört. Und nun traue ich mich nicht mehr so recht dran... zumal der dicke Wälzer 1.392 Seiten umfasst! Und die liest man nicht mal eben so...

Hier sind Auszüge aus Rezensionen (Quelle: Amazon):

Seit Goldhagens "Hitlers willige Vollstrecker" hat kein Buch, das sich mit dem Holocaust beschäftigt, für so viel Aufsehen gesorgt wie Jonathan Littells Die Wohlgesinnten. Hymnischer Beifall begleiten das Erscheinen des Werks in Deutschland ebenso wie vernichtende Fundamentalkritik. Weswegen sich die Gemüter so erhitzen? Littell verfasst diesen Roman über den deutschen Vernichtungsfeldzug in Osteuropa aus der Sicht eines Täters. Es ist der zynische Jurist Dr. Max Aue, der als Mitglied des Sicherheitsdienstes und SS-Offizier unmittelbar an den schlimmsten Verbrechen des Nationalsozialismus beteiligt ist. Zudem verwebt Littell in seinem ersten Roman aufs Engste Fakten und Fiktion. Die einen erheben ihn dafür zum künftigen Träger der kollektiven Erinnerung an den Holocaust, die anderen werfen ihm eine irrwitzige Geschichtsfälschung, ja eine Glorifizierung des Nationalsozialismus vor.

"Ihr Menschenbrüder, lasst mich euch erzählen, wie es gewesen ist." So beginnt der Prolog ("Toccata") des Autors, der zugleich den Anspruch des Werkes definiert - bereits mit diesem ersten Satz hat sich Littell den Vorwurf der Hybris strenger Kritiker eingehandelt hat. "Es", so rechnet der Erzähler vor, das sind 18.722 Tote, die von Juni 1941 bis Mai 1945 Tag für Tag starben - jede 4,6 Sekunden ein Toter: "eine gute Meditationsübung". Als "Erinnerungsfabrik" bezeichnet sich der Erzähler selbst, und man ist geneigt, ihm Recht geben, angesichts der fast 1.400 folgenden Seiten. Er beteuert, dass die Aufzeichnungen "frei von jeglicher Reue sein werden...Ich habe meine Arbeit getan, mehr nicht" - ein zweiter Schlag in die Magengrube einiger Kritiker, versprach doch der Autor im Prolog gerade die Aufdeckung der Motive der Henker.

Littell breitet das beeindruckende, vor allem aber verstörende, streckenweise pornografische Panorama eines Krieges aus, der in knapp sechs Jahres Osteuropa fast vollständig zerstörte. Erzählt von einem klassisch gebildeten Offizier, der trotz aller humanistischen Wurzeln zum Mörder wurde. Einfache Unterscheidungen zwischen Gut und Böse gibt es nicht. So lesen wir neben den NS-Verbrechen auch von den Massenerschießungen durch das sowjetische Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten (NKWD), von Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung durch Ukrainer, von psychotischen Wehrmachtsoffizieren. Akribisch flicht Littell die organisatorischen Strukturen von Wehrmacht, Reichssicherheitshauptamt, KZ-Lagerverwaltungen, Befehlsketten der SS und vieles mehr in sein Epos ein. Allein diese umfassende Darstellung in einem literarischen Werk ist einzigartig.

"...ihr seid nicht besser", deklamiert schließlich der frühere SS-Offizier und spätere Spitzen-Fabrikant. Dieses Fazit, das der Autor seinem Erzähler in den Mund legt, bleibt unbefriedigend. Zwar kann der Leser das Ergebnis einer außerordentlichen Fleißarbeit über Verlauf und organisatorischen Unterbau des Ostfeldzuges im Detail nachlesen. Warum sich aber der Bildungsbürger Dr. Max Aue so leicht zu einem effizienten Rad im Getriebe der Vernichtungsmaschinerie wandeln konnte, bleibt letztlich unklar. Ob das Buch also, wie Jorge Semprún voraussagt, in 50 Jahren maßgeblich die Erinnerung an Nationalsozialismus und Holocaust prägen wird, muss sich erst noch erweisen. -- Henrik Flor, Literaturtest

kulturnews.de
Jonathan Littells "Die Wohlgesinnten" ist der Skandalroman des bisherigen Jahrzehnts; in Frankreich als Meisterwerk gefeiert, im deutschen Feuilleton als kitschig, prätentiös, floskelhaft oder gar pornografisch abgekanzelt. Auf den ersten Blick ist die fiktive Geschichte über den schwulen Maximilian Aue, den es Anfang der 40er-Jahre als SS-Offizier an die Ostfront, nach Auschwitz, ins Wohnzimmer der Familie Eichmann und zu Massenerschießungen in die Schlucht von Babi Jar verschlägt, vor allem eins: brutal explizit. Dass der 40-jährige jüdische Autor dem verschriftlichten Grauen obendrein die Aussage seines Ich-Erzählers voranstellt, der Roman würde zeigen, dass jeder einzelne von uns schuldig und ein Täter sein könnte, fordert heraus. "Ich bin wie ihr!", sagt Aue - doch das ist eine Lüge. Littell schreibt seinem Protagonist ein ausgewachsenes Kindheitstrauma in die Biografie (verschwundener Vater, als Teenie beim Fummeln ertappt, ins katholische Internat gesteckt, zu schwulem Sex genötigt), das ihn nicht gerade zum Jedermann macht. Zugleich streift dieser Max Aue seltsam konturlos durch den Roman. Er ist beschreibender Beobachter, des Krieges, der Massaker und auch seiner Selbst. Alles, was wir über ihn, seine Gefühle und seinen Charakter erfahren, teilt der Offizier uns in direkter Ansprache mit, darüber hinaus ermöglicht die Handlung kaum Interpretationen und Rückschlüsse. Das ist nicht nur irritierend, das ist auch langweilig - genau wie Littells verkopfte Exkurse über Literatur, Sprache, Kunst und Musik oder seine langatmigen Beschreibungen der Hierarchien innerhalb des nationalsozialistischen Apparats. Was man dem Franzosen freilich anrechnen muss, sind seine umfangreichen Recherchen. Deren Ergebnisse füllen immerhin den Großteil des 1 400 Seiten dicken Wälzers. (jul)



 
Top